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Minderheitenmodell wurde nicht aufgenommen

Im März 2020 haben Dänemark und Deutschland gemeinsam die Nominierung des Dänisch-Deutschen Minderheitenmodells für das Register Guter Praxisbeispiele zum Erhalt des Immateriellen Kulturerbes bei der UNESCO eingereicht. Heute, Donnerstag 16. Dezember 2021, hat die UNESCO sich gegen die Aufnahme des Modells entschieden.

Mit der Entscheidung folgte die Kommission die zuvor abgegebene fachliche Bewertung. In der wurde empfohlen, die Nominierung zurückzustellen, obwohl es einzelne Kriterien für eine Aufnahme als erfüllt anerkannte. So wurde z.B. besonders die umfassende Einbindung aller betroffenen Akteure hervorgehoben. Auch lobte das Gremium das Modell ausdrücklich als gelungenes Beispiel für die Integration von Minderheiten.

Es hatte allerdings den Eindruck gewonnen, dass das Minderheitenmodell als kulturpolitisches Instrument zu breit angelegt sei, um eindeutig ausmachen zu können, welches tradierte Wissen und Können darüber weitergegeben wird. Insbesondere würde sich das Modell nicht auf ein spezifisches Element des Immateriellen Kulturerbes beziehen.

Entsprechen enttäuscht waren die ersten Reaktionen aus der dänischen Minderheit.

– Es kann einen wundern, dass die UNESCO den gesellschaftlichen Vertrag zwischen Minderheits- und Mehrheitsbevölkerungen im Grenzland als gutes Praxisbeispiel nicht würdigt. Das Modell sichert die Gleichstellung und letztendlich Demokratie und Frieden in einer Grenzregion. Gerade in einer Welt voller Konflikte hätte das Modell die Anerkennung verdient, so Jens A. Christiansen, SSF-Generalsekretär.

Nach der Entscheidung der UNESCO haben die staatlichen Stellen in Dänemark und Deutschland in Abstimmung mit den für die Nominierung verantwortlichen Minderheitenorganisationen entschieden, die Rückstellung vorerst zu akzeptieren.

Die Beteiligten sind aber nach wie vor von der enormen Bedeutung des Minderheitenmodells und seiner Vorbildfunktion überzeugt. Ausdrücklich danken sie allen beteiligten Akteuren, denn es spricht für Deutschland und Dänemark, dass Minder- und Mehrheiten beidseitig das friedliche Zusammenleben erhalten und aktiv für die Zukunft gestalten wollen.

Zudem wurde in der Nominierung das Minderheitenmodell bewusst als Toolbox dargestellt, deren einzelne Instrumentarien modellhaft und unabhängig voneinander angewendet werden können. Es entspricht somit den Kriterien des Registers und orientiert sich an den Prinzipien der UNESCO-Konvention von 2003. Zudem sind in dem Bewerbungsdossier viele konkrete Formen von Immateriellem Kulturerbe in den Bereichen Musik, Feste, sozialen Praktiken oder darstellenden Künsten und konkrete nachhaltige Erhaltungsmaßnahmen benannt.

Das Bewertungsgremium hat konkrete Hinweise für eine mögliche erneute Bewerbung mit besseren Erfolgschancen gegeben.

– Inwiefern und in welcher Form das Modell ggf. erneut eingereicht wird, müssen wir jetzt gemeinsam besprechen. Fest steht aber, dass wir nach wie vor von der Bedeutung des Modells überzeugt sind, so Jens. A. Christiansen.