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Geschichte

Der Landesteil Schleswig ist um einiges dänischer als man denkt. Das macht die Geschichte deutlich, und vielerorts sind die dänischen Einflüsse noch deutlich. Das sind zum Beispiel die Nachnamen wie Jensen, Petersen und Hansen oder Ortsbezeichnungen wie Büll, Lund und By.

Was viele nicht wissen: Der Landesteil Schleswig gehörte länger zu Dänemark als zu Deutschland.

Denn das Herzogtum Schleswig – also das Gebiet zwischen der Eider im Süden und dem Kongeåen im Norden – gehörte grob gesehen 1000 Jahre lang zum dänischen Königreich. In geschichtlichen Dokumenten wird die Eider bereits im Jahr 811 als Grenze zu Dänemark genannt. Und bereits 400 Jahre vorher wird das Dannewerk (Höhe Schleswig) als dänischer Schutzwald erreichtet. Seit dem 13. Jahrhundert gehört das Herzogtum Schleswig offiziell zum dänischen Königreich. Das gilt auch für die Herzogtümer Holstein und Lauenburg. Sie gehörten ebenfalls zum Königreich, aber nicht im selben Umfang wie das Herzogtum Schleswig.

Neue Grenze

Bis 1864 galt die Eider bei Rendsburg als Grenzfluss zu Dänemark. Doch als Ende des 18. Jahrhunderts überall in Europa der Wunsch nach Verfassungen und Nationalstaaten wuchs, traf das auch das Grenzland. Der Wunsch führt zu einer Spaltung in der Bevölkerung. Während sich einige einen Anschluss an den deutschen Verbund wünschten, plädieren andere für einen dänischen Nationalstaat.

1864 kommt es unter anderem deswegen zum 2. Schlesischen Krieg. Dieses mal waren die Kontrahenten Dänemark und Preußen/Österreich. Dabei war Dänemark hoffnungslos unterlegen und am Ende verlor Dänemark das gesamte Gebiet bis hoch zum Kongeåen – bei Kolding. Somit war der Landesteil Schleswig, der rund 1000 Jahre zu Dänemark gehörte, von da an Teil von Deutschland. Das galt ab dem Zeitpunkt auch für den Landesteil, der heute Sønderjylland (Süddänemark) ist.

In der Zeit wurde die dänische Sprache im gesamten Gebiet verbannt. In den Schulen, Kirchen und in den Behörden durfte nur noch Deutsch gesprochen werden. Auch die dänische Fahne und andere dänischen Symbole wurden verboten. Doch gerade dieses restriktive Vorgegeben führte zu einer Stärkung der dänischen Bewegung. Im Verborgenen wurden die dänischen Traditionen, die Sprache und zahlreiche Symbole fleißig gepflegt.

Volksabstimmung

Nach dem 1. Weltkrieg und dem Frieden von Versailles, sollte die “Schleswigsche Frage” ein für alle mal geklärt werden. Und zwar in einem demokratischen Verfahren. Eine Volksabstimmung sollte klären, wo Schleswig hingehört. Im Jahr 1920 wurde abgestimmt, wobei das Herzogtum Schleswig in mehrere Abstimmungszonen aufgeteilt wurde. Nördlich der heutigen Grenze wurde zuerst und en bloc abgestimmt. Die Macher der Abstimmung hofften so, dass die eher Deutsch-gesinnten Stadtbewohner in beispielsweise Tønder, nicht das Resultat beeinflussen konnten. Deswegen die Abstimmung an bloc.

Südlich der heutigen Grenze wurde in Wahlkreisen abgestimmt. Dabei ging es den Machern der Abstimmung vor allem darum, die Stadt Flensburg zurückzugewinnen. Dort waren in der Bevölkerung beide Volksgruppen gleichermaßen vertreten. Vor allem im nördlichen Teil der Stadt gab es starke dänische Bewegungen. Flensburg wurde auch zum Brennpunkt des Wahlkampfs. Die Stadt war mit Plakaten gepflastert, und es ging zum Teil hitzig vor sich. Am Ende fiel das Urteil doch recht eindeutig aus. Flensburg und der südliche Teil des Landesteils Schleswig stimmte gegen die Wiedervereinigung mit dem dänischen Königreich.

Zuvor hatte sich die erste Abstimmungszone zurück nach Dänemark gestimmt. Deswegen ist das Herzogtum Schleswig seit 1920 geteilt, und deswegen sprechen wir im Grenzland von Sydslesvig (Südschleswig) und Nordslesvig (Nordschleswig/Sønderjylland).

Zwei Minderheiten

Aufgrund der Grenzverschiebungen erst 1864 und dann wieder 1920 entstanden auf beiden Seiten der Grenze Minderheiten. Nördlich eine deutsche Minderheit und südlich eine dänische.

Die Dänisch-gesinnten, die 1920 quasi die Wahl verloren hatten, erkannten schnell, dass sie sich organisieren mussten.

Deswegen wurden in den Jahren 1920 und 1921 mehrere dänische Vereine, wie beispielsweise die kulturelle Hauptorganisation, Sydslesvigsk Forening (SSF) und der dänische Schulverein (Dansk Skoleforening for Sydslesvig) gegründet. Bis heute betreiben die Organisationen beider Minderheiten auf beiden Seiten der Grenze eigenen Kulturvereine, Schulvereine, Parteien, Sportvereine und vieles mehr.

Der Grundstein für die Minderheiten, wie wir sie heute kennen, wurde also 1920 bei der Volksabstimmung gelegt.

Mehr über die Geschichte

Die Geschichte des Grenzlandes und der dänischen Minderheit ist spannend, bewegend und in vielerlei Hinsicht mit der Geschichte beider Länder verbunden. So wurde beispielsweise auch 1955 mit den Bonn-Kopenhagener-Erklärungen Minderheitengeschichte geschrieben. Sie waren maßgeblich für das friedliche Zusammenleben im Grenzland.

Im Museum Danevirke (UNESCO Weltkulturerbe) oder in den dänischen Büchereien in Sydslesvig (Dansk Centralbibliotek), gibt es noch viel mehr zur Geschichte der dänischen Minderheit und dem Grenzland.